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Jedes Jahr müssen Millionen Menschen ihr Zuhause und oft auch ihr Land verlassen, weil sie verfolgt werden oder weil Krieg herrscht. Diese Menschen sind Flüchtlinge. Fast immer müssen sie ganz plötzlich verschwinden und fast ihren gesamten Besitz zurücklassen. Häufig werden Familien auf der Flucht auseinander gerissen. Viele Flüchtlinge können nie wieder nach Hause zurückkehren.
Die meisten Flüchtlinge suchen in einem Nachbarland Schutz, wo innerhalb kurzer Zeit sehr viele von ihnen ankommen (man nennt das Massenzustrom). Andere Flüchtlinge müssen weite Entfernungen überwinden, um Schutz zu finden. Sie landen in Häfen und auf Flughäfen fern von ihrem Heimatland.
1951 übernahmen die Vereinten Nationen die Genfer Flüchtlingskonvention, die mittlerweile von der Hälfte aller Staaten unterzeichnet wurde. Es gibt das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), das die Umsetzung der Konvention überwacht und Flüchtlinge insbesondere mit humanitärer Hilfe unterstützt.

Die Konvention definiert: Ein Flüchtling ist jemand, der sein Land verlassen hat und aufgrund von begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner ethnischen Herkunft, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Überzeugung nicht mehr zurückkehren kann. Der wichtigste Schutz, den ein Flüchtling braucht, ist das Recht, nicht in sein Heimatland zurückgeschickt zu werden, wo er der Gefahr von Verfolgung oder Tod ausgesetzt ist (Recht auf Schutz vor Abschiebung). Das trifft auch zu, wenn eine Regierung einen Flüchtling in ein Drittland ausweisen will, wo ihm die Abschiebung in sein Herkunftsland droht.

Staaten sind verpflichtet, einen asylsuchenden Flüchtling in ihrem Land anzuhören. Dieses Prinzip verpflichtet alle Staaten, egal ob sie die Konvention von 1951 unterzeichnet haben oder nicht. Die Konvention von 1951 legt außerdem fest, dass Flüchtlinge nicht diskriminiert werden dürfen und in dem Land, in dem sie Schutz suchen, in den vollen Genuss ihrer Rechte kommen sollen.

Doch die Staaten sind sich uneinig darüber, wer ein „echter“ Flüchtling ist; reiche Länder behaupten oft, Flüchtlinge seien keine Opfer von Unterdrückung, sondern nur auf der Suche nach einem höheren Lebensstandard. Diese nennen sie „Wirtschaftsflüchtlinge“. Regierungen behaupten oft, die Befürchtungen von Flüchtlingen seien übertrieben oder falsch.

Flüchtlingszahlen weltweit

Region (am 1. Januar 2000) Flüchtlinge
Afrika 3523250
Asien 4781750
Europa 2608308
Lateinamerika und Karibik 61200
Nordamerika 636300
Ozeanien 64500
Insgesamt 11675380
Quelle: Refugees by numbers, Ausgabe 2000, Veröffentlichungen des UNHCR

Herkunft wichtiger Flüchtlingsgruppen 1999

Herkunftsland
Woher kommen sie?
Die wichtigsten Asylländer
Wohin gehen sie?
Flüchtlinge
Afghanistan Iran/Pakistan/Indien 2562000
Irak Iran/Saudi-Arabien/Syrien 572500
Burundi Tansania/Dem. Rep. Kongo 525700
Sierra Leone Guinea/Liberia/Gambia 487200
Somalia Äthiopien/Kenia/Jemen/Dschibuti 451600
Bosnien-Herzegowina Jugoslawien/Kroatien/Slowenien 448700
Angola Sambia/Dem. Rep. Kongo/Kongo 350600
Kroatien Jugoslawien/Bosnien-Herzegowina 340400
Quelle: Refugees by numbers, Ausgabe 2000, Veröffentlichungen des UNHCR

Binnenvertriebene

Nicht alle, die ihr Zuhause verlassen müssen, fliehen in ein anderes Land; diejenigen, die im Inland bleiben, werden Binnenvertriebene genannt. Die Binnenvertriebenen sind die am schnellsten wachsende Vertriebenengruppe der Welt. In Europa ist die Zahl der Binnenvertriebenen (3252300) höher als die Zahl der Flüchtlinge (2608380). Sie konzentrieren sich vor allem auf Bosnien-Herzegowina und Länder der ehemaligen Sowjetunion. Anders als Flüchtlinge stehen sie nicht unter dem Schutz internationaler Gesetze und sind von vielen Hilfsangeboten ausgeschlossen. Derzeit wird eine breite internationale Debatte geführt, wie man den Binnenvertriebenen am besten helfen kann und wer dafür zuständig sein soll. Das UNHCR leistet auf Bitten des Generalsekretärs der Vereinten Nationen einigen Gruppen von Binnenvertriebenen Hilfe.