Tipps für die Durchführung

Achten Sie auf sensible Punkte und auf Anonymität bzw. Privatsphäre (einige haben vielleicht persönliche Erfahrungen mit häuslicher Gewalt in ihrer Familie). Alle sollten wissen, dass niemand gedrängt werden darf, mehr zu erzählen, als er/sie möchte. Sie können die Übung jederzeit an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anpassen.

Die Übung heißt „innere Angelegenheiten“, weil die meisten Gewaltakte gegen Frauen innerhalb von Familien oder Beziehungen stattfinden. Eine der häufigsten Formen häuslicher Gewalt ist die körperliche Gewalt, daher auch die Auswahl dieser speziellen „Zeugenaussagen“. Alle Geschichten basieren auf aktuellen Fällen realer Opfer und Delikte. Sie können Details darin ändern oder sie durch andere Fallgeschichten ersetzen, um die Übung an Ihre örtliche Situation und die Bedürfnisse der Gruppe anzupassen.

Die Ansichten darüber, was ein Gewaltakt ist, werden auseinander gehen. Die Erklärung über die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1993 verabschiedet wurde, definiert Gewalt gegen Frauen als „jede gegen Frauen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit gerichtete Gewalthandlung, durch die Frauen körperlicher, sexueller oder psychischer Schaden oder Leid zufügt wird oder zugefügt werden kann, einschließlich der Androhung derartiger Handlungen, der Nötigung oder der willkürlichen Freiheitsberaubung, gleichviel ob im öffentlichen oder im privaten Bereich.“ Sie umfasst, beschränkt sich aber nicht auf „körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Familie, einschließlich körperlicher Misshandlungen, des sexuellen Missbrauchs von Mädchen im Haushalt, Gewalt im Zusammenhang mit der Mitgift, Vergewaltigung in der Ehe, Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane und andere traditionelle, für die Frau schädliche Praktiken, Gewalt außerhalb der Ehe und Gewalt im Zusammenhang mit Ausbeutung; körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Gemeinschaft, so auch Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexuelle Belästigung und Einschüchterung am Arbeitsplatz, in Bildungseinrichtungen und anderswo, Frauenhandel und Zwangsprostitution sowie vom Staat ausgeübte oder geduldete körperliche, sexuelle und psychische Gewalt, wo immer sie auftritt.“

Wenn sie Schwierigkeiten haben, vor Ort Frauenhäuser zu finden, dann suchen Sie in der Datenbank auf der Website des European Information Centre Against Violence nach solchen Einrichtungen: http://www.wave-network.org/ (englischsprachig, aber mit Adressen auch in Deutschland, Schweiz und Österreich).* 

Männliche Teilnehmer könnten auf die Übung oder einige Diskussionen heftig reagieren. Vergessen Sie nicht, dass der Zweck der Übung keineswegs darin besteht, Männern oder Jungen Schuldgefühle wegen der Taten anderer Männer zu vermitteln; aber es sollte anerkannt oder darüber diskutiert werden, dass Männer Nutznießer eines männerprivilegierenden Systems sind und eine Rolle darin spielen. In diesem Zusammenhang kann es auch interessant sein, sich direkt oder indirekt mit den Auswirkungen der Gewalt gegen Frauen auf Männer auseinanderzusetzen.
Eine sehr beeindruckende Möglichkeit ist es, die Übung mit einer Schweigeminute für die Opfer häuslicher Gewalt zu beenden, um Empathie und Solidarität zu stärken.