Sport und Politik

Sport war lange Zeit ein friedliches Mittel für politische Aktionen gegen Ungerechtigkeit. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko City zeigten John Carlos und Tommie Smith bei der Siegerehrung den Gruß der Black Panther, um gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den Vereinigten Staaten zu protestieren. Zu Zeiten der Apartheid weigerten sich viele Länder, sportliche Beziehungen mit Südafrika einzugehen – ein wichtiger Beitrag zum politischen Wandel in diesem Land.

"Capoeira"

Im 16. Jahrhundert pflegten versklavte angolanische Menschen in Brasilien ihre traditionellen Tänze und Rituale und entwickelten sie weiter zum „Capoeira“, einer Selbstverteidigungskunst. Die Kolonialherren hatten jede Art von Kampfkunst verboten, aber indem sie das Ganze wie einen unschuldig aussehenden Freizeittanz aussehen ließen, konnten die Menschen unter den Bedingungen der Sklaverei trotzdem trainieren. Im 17. Jahrhundert wurde die Kunst des „Capoeira“ weiter perfektioniert und dann in einem jahrzehntelangen Freiheitskampf gegen die kolonialen Unterdrücker eingesetzt.

Sport kann auch zu nationalistischen oder politischen Zwecken missbraucht werden, wie 1972, als bei den olympischen Spielen in München acht arabische Terroristen in das Quartier der israelischen Mannschaft eindrangen und zwei Menschen töteten. Weitere neun Geiseln wurden nach einem fehlgeschlagenen Rettungsversuch der deutschen Polizei ermordet.

Die Olympischen Spiele wurden lange Zeit von den Nationen als Forum für politische State-ments benutzt. Die USA boykottierten beispielsweise zusammen mit 65 weiteren nichtkommunistischen Nationen 1980 aufgrund der sowjetischen Invasion in Afghanistan die Spiele in Moskau. Daraufhin boykottierten 1984 die Sowjetunion und fünfzehn mit ihr verbündete Staaten die nächsten Spiele in Los Angeles aus Sicherheitsgründen und aus Furcht, Teamangehörige könnten Asyl suchen und erhalten.

Sollten Sport und Politik voneinander getrennt werden?

Es ist kontrovers zu diskutieren, ob es richtig war, die Olympischen Spiele 2008 an China zu vergeben. China wird seit langem wegen Menschenrechtsverletzungen und mangelhaftem Demokratieverständnis kritisiert. Gegen eine Ablehnung der Bewerbung Pekings wurde u.a. damit argumentiert, dass eine Kritik am Umgang mit Dissident/innen und andere Menschenrechtsverletzungen weiterhin Bestandteil von Foren wie dem jährlichen Treffen der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen sein solle. Tatsächlich könnte die Annahme der Bewerbung Peking sogar dazu bringen, derartiger Kritik mehr Beachtung zu schenken.