Die Agenda zu menschlicher Sicherheit

Bei allen Unterschieden in der Interpretation, Definition und Schwerpunktsetzung haben die verschiedenen Konzepte zu menschlicher Sicherheit doch einige Elemente gemeinsam [Bemerkung]. Die folgenden Kennzeichen einer Agenda der menschlichen Sicherheit kristallisieren sich als zentral heraus:

  • Der Schwerpunkt verlagert sich von der Sicherheit der Staaten auf die Sicherheit der Menschen. Dies gilt als einer der wichtigsten Punkte für das Konzept der menschlichen Sicherheit. Wie bereits erwähnt, wurde Sicherheit Jahrhunderte lang vor allem als nationale oder staatliche Sicherheit angesehen. Heute ist der Begriff der menschlichen Sicherheit Gegenstand internationaler Diskussionen über die Sicherheit und den Schutz von Menschen anstelle von Staaten.
  • Dies impliziert und bekräftigt die Verpflichtung der Staaten, die Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu gewährleisten. Indem die Sicherheit der Menschen in den Vordergrund tritt, wird der Staat verstärkt zum Garanten von Sicherheit und Schutz.
  • Die Beziehungen der Menschen untereinander und die Tatsache, dass viele Probleme staatliche und andere Grenzen überschreiten, werden anerkannt. Eine Position zu menschlicher Sicherheit hebt die Interdependenz der Menschen in der heutigen Welt hervor und gibt zu bedenken, dass viele Probleme keinen „Pass“ haben und nicht an politischen Grenzen aufgehalten werden können. So bleiben Frauen und Männer in Industrieländern von der Armut in den Ländern des Südens nicht unberührt, wie an der Migration und an Krankheiten, die an Grenzen nicht stehen bleiben, erkennbar ist, und Menschen in den Ländern des Südens sind durch die von den Fabriken des Nordens produzierte Umweltverschmutzung bedroht.
  • Es wird anerkannt, wie wichtig nichtstaatliche Akteure sind. Als wirkungsvolle Initiative wird häufig die internationale Kampagne gegen Landminen genannt, deren Speerspitze von Nichtregierungsorganisationen gebildet wird. „Organisationen der Zivilgesellschaft streben erweiterte Möglichkeiten und mehr Verantwortung bei der Förderung menschlicher Sicherheit an. In vielen Fällen haben sich Nichtregierungsorganisationen als äußerst effektive Partner bei der Durchsetzung der Sicherheit von Menschen erwiesen.“[1]
  • Wer für Verstöße gegen die Menschenrechte und humanitäre Gesetze verantwortlich ist, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs und der Internationalen Tribunale für Ruanda und das ehemalige Jugoslawien gelten als wichtige Fortschritte bei den Bemühungen um eine Agenda zu menschlicher Sicherheit.
  • Die Komplexität der Sicherheitsfragen wird hervorgehoben und die Notwendigkeit fassettenreicher Reaktionen bekräftigt. Bei aller Unterschiedlichkeit der Auffassungen über menschliche Sicherheit herrscht Übereinstimmung darüber, dass es sich um ein vielgestaltiges Konzept handelt, das die Koordination und Zusammenarbeit vieler verschiedener Akteur/innen erfordert. Eine maßgebliche Reaktion darauf ist ein wachsendes Vertrauen in die „Soft Power“ bzw. Überzeugungsarbeit anstelle der alleinigen Konzentration auf militärische Macht und Rüstung („schlagkräftige Ideen statt schlagkräftiger Waffen“).[2]

Bemerkung

Jugend und menschliche Sicherheit Alle Jugendorganisationen, die Frieden, Menschenrechtsbildung und Umweltschutz fördern oder den Hunger bekämpfen und sich für mehr menschliche Sicherheit einsetzen, wollen Bedingungen schaffen, unter denen Menschen mehr Freiheit von Furcht und Not genießen.

 

Fussnoten

  1. Kanadisches Ministerium für Außenpolitik und Internationalen Handel (DFAIT): www.dfait-maeci.gc.ca/foreignp/humansecurity
  2. Hay, R.: Peace building during peace support operations: a survey and analysis of recent missions, 1999.