Alternativen gesucht

Besonders in Zeiten von Spannungen und gewaltsamen Konflikten wie z.B. auf dem Balkan „könnten und sollten neue Kanäle für den freien Informationsfluss zu Pluralismus, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung, Demokratie und Frieden beitragen ... Ausbildungsprogramme über journalistische Ethik sollten Journalist/innen für Vorurteile und Diskriminierung sensibilisieren.“[1]

Eines der führenden Internetportale mit Informationen über Menschenrechte, One World (http://www.oneworld.net/), hat die vier größten Herausforderungen der Gegenwart für die Demokratie in den Medien so zusammengefasst:

  1. Redefreiheit. Bislang drehten sich viele Diskussionen über Mediendemokratie vorwiegend um das Recht auf die Freiheit der Meinungsäußerung. Besonders in den Jahren des kalten Krieges wiesen westliche Regierungen gern auf die staatliche Zensur im Ostblock hin – ein nützlicher Gegensatz zur angeblichen Pressefreiheit im eigenen Land. Zwar wird das Recht der freien Rede immer noch bei vielen Gelegenheiten überall auf der Welt verweigert, aber die Konzentration allein auf diesen Aspekt hat Probleme verschleiert, die für die Mediendemokratie in vielen Ländern heute sogar noch wichtiger sind.
  2. Stimmprojektion. In den Medien bedeutet Demokratie viel mehr als nur „sagen zu können, was man will“. Bei der Mediendemokratie geht es um Stimmprojektion – darum, sich Gehör zu verschaffen. Durch die Technologie ist es heute zwar leichter denn je, eine eigene Zeitschrift zu veröffentlichen (oder selbst Videonachrichten aufzuzeichnen), aber es ist immer schwieriger geworden, auch nur ein winziges Publikum mit diesem Material zu erreichen. Selbst wenn Sie einen Vertrieb finden, der es an die wenigen unabhängigen Geschäfte verteilt, die noch dafür offen und bereit sind, bedeutet die Tatsache, dass Sie nicht jedes Jahr mehrere Millionen für Anzeigen ausgeben können, dass nur ganz wenige Menschen überhaupt darauf aufmerksam werden.
  3. Konzentration des Eigentums. In ihrer verfeinerten Form wird Zensur nicht durch gesetzliche Unterdrückung erreicht, sondern durch kapitalistische Institutionen, die einander in die Hände spielen, um die Hegemonie ihrer Überzeugungen zu erhalten. Die Kontrolle der machtvollsten neuen Medientechnik liegt nach wie vor in den Händen einiger weniger (national oder international), egal ob es sich nun um privates Eigentum oder um staatliche Monopole handelt. Das bedeutet, dass die Mehrzahl der Medienunternehmen einer sehr kleinen Zahl von Industriegiganten gehört. Ob in einzelnen Ländern oder – wie es zunehmend der Fall ist – im Weltmaßstab: Diese Kartelle kontrollieren erfolgreich die Bilder und Geschichten, durch die wir unser Weltverständnis gewinnen. Statt einer echten demokratischen Vielfalt offeriert man uns endlose Versionen desselben Produkts (mit leichten Variationen in der Verpackung).
  4. Sicherheitsverwahrung. Dieser Mangel an Vielfalt hat schwerwiegende Konsequenzen, weil esimmer schwieriger wird, Alternativen zur Orthodoxie des Medien-Mainstreams zu formulieren. Wie viel Medienpräsenz wurde den Hunderttausenden in Nordamerika und Westeuropa gewährt, die gegen den Angriff ihrer Länder auf den Irak im Golfkrieg demonstrierten? Eingeschränkte Mediendemokratie führt zu eingeschränkter politischer Demokratie, weil alternative Ideen willkürlich der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen werden (besonders wenn sie die Anzeigenkunden verärgern könnten).

Konzentration des Eigentums

„Zwei Atomkraftwerksbetreiber besitzen zwei der landesweiten TV-Netzwerke in den USA – General Electric ist Eigentümer von NBC und Westinghouse ist Eigentümer von CBS. Das dritte Netzwerk gehört einer Comic-Firma: Disney ist Eigentümer von ABC“, warnte der US-Präsidentschaftskandidat Ralph Nader. Eine Werbegruppe kann heute 40% des Markts beherrschen. Die Machtkonzentration, deren Zeug/in wir mit der Fusion von America Online (AOL), Time Warner und der Turner-Gruppe geworden sind, beschwört das Gespenst der kulturellen Vorherrschaft herauf.

Glauben Sie, dass die Fähigkeit der freien Entscheidung verloren geht, wenn wir der ständigen kommerziellen Propaganda durch die Massenmedien ausgesetzt sind?

Glauben Sie, dass Jugendliche, wenn sie unangemessenem Material z.B. gewalttätigen oder rassistischen Inhalts im Fernsehen ausgesetzt sind, dadurch in ihrem Denken und ihren Einstellungen beeinflusst werden?

NGO und die Medien

  1. Das Baltic Media Centre ist eine unabhängige und gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Demokratie, sozialer Entwicklung und einer friedlichen internationalen Zusammenarbeit durch die aktive Partizipation der Medien: www.bmc.dk
  2. AIM (Alternativna Informativna Mre_a/Alternatives Informations-Netzwerk) ist ein Netzwerk unabhängiger Journalist/innen im ehemaligen Jugoslawien und dem südlichen Balkan, das ausführliche Hintergrundinformationen in den jeweiligen Sprachen und in Englisch anbietet: www.aimpress.ch
  3. Die Organisation Reporter ohne Grenzen stellt Informationen über Journalist/innen weltweit bereit, die frei geschrieben haben und in Gefahr sind. Sie organisiert Petitionen und Briefkampagnen zur Verteidigung bedrohter Journalist/innen. Weitere Informationen: www.reporter-ohne-grenzen.de

 

Fussnote

  1. Verlautbart am 13. September 1997 in the Erklärung von Sofia (später als Resolution 35 von der Generalversammlung der Unesco bei ihrer XXIX. Sitzung im November 1997 verabschiedet).