Die rasante technische Entwicklung der Medien

In seiner Autobiografie erzählt Präsident Mandela von einem Aufenthalt in Goose Bay nördlich des Polarkreises, wo ihn eine Gruppe junger Inuit (Bewohner/innen der Region rund um den Nordpol) aufgesucht hatte:

„... im Gespräch mit diesen intelligenten jungen Leuten erfuhr ich, dass sie meine Freilassung im Fernsehen verfolgt hatten und mit den Ereignissen in Südafrika vertraut waren. ,Es lebe der ANC!‘, sagte einer von ihnen. Die Inuit sind eine Gruppe, die in der Vergangenheit durch dieweißen Siedler/innen grausam unterdrückt wurde. Es gab Parallelen zwischen der Misere der Schwarzen in Südafrika und der Inuit. Schlagartig wurde mir bewusst, wie klein der Planet in den Jahrzehnten meiner Haft geworden war. Ich war verblüfft, dass jugendliche Inuit am andern Ende der Welt die Befreiung eines politischen Gefangenen an der Südspitze Afrikas verfolgen konnten. Das Fernsehen hat die Welt kleiner gemacht und im Lauf der Zeit ist es zu einer großartigen Waffe geworden, um Unwissenheit zu beseitigen und die Demokratie zu fördern.“[1]

Was Nelson Mandela hier so treffend mit einem einzigen Bild beschreibt, ist die exponentielle Beschleunigung der Nachrichtenverbreitung durch die verschiedenen Medien. 1895 sandte Marconi die erste drahtlose Nachricht. Zwei Jahrzehnte zuvor hatte Edison den Phonographen erfunden. Seither ist zu beobachten, wie sich durch die Erfindung von Radio, Fernsehen und die Rundfunkübertragung der technische Fortschritt in beiden Medien beschleunigt. Wie diese Rundfunkübertragung heute stattfindet, war schwer vorauszusehen, als die sowjetischen Wissenschaftler im Oktober 1957 den Sputnik ins All schickten. Dies war die erste Raumsonde auf einer Erdumlaufbahn, eine Metallkugel von gut 60 Zentimetern Durchmesser, welche die Dichte der äußeren Erdatmosphäre bestimmen sollte. Das Ereignis wurde per Radio übertragen, der Satellit umkreiste die Erde nur drei Monate lang. Zwölf Jahre später übertrugen die Vereinigten Staaten von Amerika jene Bilder übers Fernsehen, die unseren Planeten als einen einzigen ganzen Himmelskörper zeigten, und von dem Menschen, der als Erster seinen Fuß auf den Mond setzte.

Heute spielen die Idee der „einen Welt“ und die Satellitenkommunikation eine zentrale Rolle bei der Behandlung der wichtigsten globalen und lokalen Fragen. Das erste internationale Satellitensystem Intelsat wurde 1965 installiert. Seit damals konvergierten Telekommunikation, Informationstechnologie und optische Elektronik mit konventionellen „Massenmedien“ und gaben den Menschen nie dagewesene Werkzeuge in die Hand – vom einfachen Mobiltelefon bis zum Internet –, um ihre Wahrnehmung zu diversifizieren, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, mit anderen zu interagieren, Veränderungen zu verstehen und darauf zu reagieren.

Im Bereich der Medien unterliegt die simple Wahrnehmung des Wandels derzeit einer radikalen Veränderung. Das Radio hat 38 Jahre gebraucht, um 50 Millionen Nutzer/innen zu erreichen, das Fernsehen 13 und der PC 16, während das Internet hierfür nur 4 Jahre benötigte.

 

Fussnote

  1. Mandela, N.: Der lange Weg zur Freiheit. Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M. 1997