Warum ist die Kinderrechtskonvention so wichtig?

Die Konvention hat auf dem Gebiet des Kinderrechtsschutzes zahlreiche Veränderungen bewirkt.

  1. Sie ist das am häufigsten ratifizierte Menschenrechtsinstrument der Welt.
  2. Die Konvention macht sich drei Prinzipien zu Eigen. Erstens die Partizipation von Kindern – gemäß ihres Alters, ihres Befindens und ihrer Reife – bei sie betreffenden Angelegenheiten, etwa Gerichtsverfahren oder Adoptionen, unter Beachtung ihrer Familie und der Gesellschaft insgesamt [Bemerkung]. Zweitens die Garantie von Schutzrechten gegen alle Formen von Misshandlung, Gewalt und Praktiken, die gegen ihre Rechte verstoßen. Und drittens schließlich gewährleistet sie ähnlich wie jede andere Konvention Rechte, die gegen potenzielle Übergriffe schützen sollen.
  3. Sie betrachtet Kinder als Rechtssubjekte und nicht als Objekte des Gesetzes. Bislang werden Kinder von den meisten Erwachsenen als Wesen angesehen, die den Erwachsenen – Lehrer/innen, Pfarrer/innen, Eltern, Ärzt/innen usw. – zu gehorchen haben. Die Konvention dagegen geht davon aus, dass Kinder Rechte haben, die von Erwachsenen, der Gesellschaft und allen mit den Angelegenheiten von Kindern befassten Institutionen geachtet werden müssen. Kinder egal welchen Alters haben Anspruch auf Respekt und würdevolle Behandlung, einfach deshalb, weil sie Menschen sind [Bemerkung].
  4. Das Wohl des Kindes sollte der Leitgedanke aller – juristischen, administrativen u.a. – Entscheidungen sein, die Kinder betreffen. Das Konzept ist schwer zu definieren und über seine genaue Bedeutung ist viel gestritten worden. Praktisch bedeutet es unter anderem, dass z.B. ein/e Richter/in, der/die über das Sorgerecht für ein Kind zu entscheiden hat, das Leben des betroffenen Kindes und der Erwachsenen unter mehreren Aspekten prüfen muss. In allen Fällen ist das Wohl des Kindes wichtiger als das Wohl der betroffenen Erwachsenen.
  5. Inhaltlich berührt die Kinderrechtskonvention viele Bereiche – verwaltungstechnische, juristische, pädagogische, gesetzliche usw. –, in denen die Rechte der Kinder geachtet werden müssen. Ein Kind etwa, das bei seiner Geburt nicht ordnungsgemäß registriert wurde, ist aus Sicht der Behörden nicht existent. Dies gilt auch für die Schulbehörden. Sie weigern sich in der Regel, diese Schüler/innen zu akzeptieren. Aus diesem Grund können Kinder keine Schule besuchen: ein verbreitetes Problem, von dem tausende Kinder in vielen Ländern betroffen sind. Diese Weigerung der Schulbehörden, Kinder als Schüler/innen anzunehmen, verletzt eindeutig das Recht der Kinder auf Bildung.

Die Konvention hatte praktische Konsequenzen in vielen Ländern, die durch die Ratifizierung der Konvention ihre bestehende Gesetzgebung teilweise ergänzen und/oder reformieren mussten.

Finden Sie, dass Kinder zu ihrem eigenen Besten Erwachsenen gehorchen sollten?

Bemerkungen

Beteiligung des Kindes 1. „Einbeziehung ist unerlässlich, will man die UN-Kinderrechtskonvention zum Leben erwecken. 2. Sie ist ein entscheidender Faktor für die Sicherung der sozialen Kohäsion und für das Leben in einer Demokratie. 3. Sie ist ein wichtiger Vorgang in der Entwicklung des Kindes ...“[1]

Wer ist ein Kind? Nach der Definition des Artikels 1 der Konvention „ist ein Kind jeder Mensch, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt.“ Das bedeutet, dass alle Personen unter 18, auch die Heranwachsenden, von der Konvention abgedeckt werden.

 

Fussnote

  1. Empfehlung Nr.8 des Ministerkomitees des Europarats an die Mitgliedstaaten, verabschiedet am 18. September 1998.