Was sind die wichtigsten Herausforderungen der Globalisierung?

Über die derzeitigen und potenziellen Folgen der Globalisierung gibt es viele Kontroversen. Oft sind Widersprüche festzustellen und in vielen Fällen gibt es keine eindeutigen Antworten. Zahlreiche wegen der negativen Auswirkungen besorgte Gruppen und Einzelpersonen wie Menschenrechtsaktivist/innen, Wissenschaftler/innen, Ökonom/innen, Forscher/innen und Soziolog/innen haben die folgenden Phänomene als Schlüsselprobleme erkannt:

  1. Einschränkung der staatlichen Souveränität: Während die Kontrolle von Regierungen über wichtige Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auch auf das Wohlergehen der Bevölkerung schwindet, gewinnen die mächtigsten transnationalen Konzerne und privaten Banken immer mehr Einfluss. Sie neigen dazu, sich wie Regierungen zu verhalten, z.B. wenn der Etat eines Konzerns so groß ist wie der eines Staates. Deshalb heißt es, die Souveränität der Staaten sei stark eingeschränkt. Ihre herkömmliche Rolle wird neu definiert.
  2. „Fokus auf der Wirtschaft“: Wirtschaftliche Erwägungen dominieren über politische und soziale Gesichtspunkte. Da private Firmen sowie zwischenstaatliche internationale und regionale Organisationen die Regelung staatlicher und weltweiter Angelegenheiten immer stärker bestimmen, besteht die Gefahr, dass die wirtschaftlichen und finanziellen Dimensionen als einzige Belange dieser Institutionen die Vorherrschaft gewinnen und andere wichtige Fragen in den Bereichen Soziales, Gesundheit oder Umwelt ignoriert werden [Bemerkung].
  3. Mangelnde Transparenz und Verantwortung: Regierungen, öffentliche Institutionen, nationale Bankaufsichten etc., die bislang für Entscheidungen über die Zukunft ihres Landes und Volkes zuständig sind, stellen fest, dass ihnen diese Zuständigkeit in einigen Fällen nach und nach abgenommen wird. Viele ihrer Handlungen und Entscheidungen unterliegen der Kontrolle, weil sie innerhalb des demokratischen Systems rechenschaftspflichtig sind, doch bei transnationalen Konzernen oder internationalen und regionalen Institutionen ist dies nicht der Fall. Bei Menschenrechtsverletzungen z.B. ist es nahezu unmöglich, Firmen zur Verantwortung zu ziehen und ihre Maßnahmen zu überwachen. Darüber hinaus kam in vielen dieser Fälle die Besorgnis über den Mangel an Transparenz der bestehenden Entscheidungsmechanismen zum Ausdruck. So werden in manchen Fällen Entscheidungen der Welthandelsorganisation nach komplexen, multilateralen, informellen oder formellen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen getroffen.
  4. „Der Rutsch nach unten“: Ein besonderes Kennzeichen der Liberalisierung des Handels ist, dass transnationale Konzerne Produktionsstätten in Länder verlagern, die ihnen bessere Wettbewerbsbedingungen bieten. Konkret: geringere Arbeitslöhne, weniger strenge Arbeitsgesetze, flexiblere Arbeitsbedingungen, nicht existente oder nicht angewandte Umweltgesetze, niedrige Steuern und Sozialabgaben wie Arbeitslosen- und Krankenversicherung usw. Unter diesen Umständen liegt der Schluss nahe, dass die Menschenrechte stark in Mitleidenschaft gezogen werden, vor allem die wirtschaftlichen und sozialen Rechte.
  5. Homogenisierung: Es besteht bei einigen Beobachter/innen die Befürchtung, dass das Leben in einer globalen Welt standardisierte soziale und kulturelle Verhaltensmuster verlangt und dahin konditioniert, dasselbe zu essen, dieselbe Musik zu hören und dieselben Filme zu sehen, egal wo wir leben und welcher Nationalität wir sind. Diese Situation würde die Besonderheit eines jeden Landes leugnen und gegen das Recht verstoßen, die eigene Kultur zu bewahren.

In diesem Kontext gelang es mithilfe von Verbraucherboykotts gelegentlich, unethische und ungesetzliche Geschäftspraktiken zu korrigieren. Des Weiteren versuchen einige Firmen und Organisationen, Geschäftsstrategien zu entwickeln, welche die Probleme der Globalisierung überwinden.

Die Liberalisierung des Handels wird vor allem von den folgenden zwischenstaatlichen, internationalen und regionalen Institutionen betrieben:

  • Welthandelsorganisation
  • Weltwährungsfonds
  • Weltbank
  • Weltwirtschaftsforum. Eine private Organisation der 2000 mächtigsten Konzerne der Welt. Sie treffen sich jedes Jahr in Davos (Schweiz).
  • Regionale Handelsbündnisse wie die Europäische Union (EU), die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA), die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation (APEC)

Wissen Sie, woher die Kleidung kommt, die Sie tragen, oder die Nahrung, die Sie essen?

Internationale und regionale Instrumente mit besonderer Relevanz für das Thema Globalisierung sind u.a. die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, die revidierte Europäische Sozialcharta, die Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union (wobei letztere rechtlich noch nicht bindend ist). Nicht unerwähnt bleiben soll, dass sowohl der Unterausschuss der Vereinten Nationen zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte als auch der Unterausschuss zur Verhinderung von Diskriminierung und zum Schutz von Minderheiten Resolutionen über Menschenrechte und Globalisierung verabschiedet haben. Die erste über die Liberalisierung des Handels und deren Auswirkungen auf die Menschenrechte (Resolution 1999/30) und die zweite über Menschenrechte als oberstes Ziel von Handel, Investitionen und Finanzpolitik (Resolution 1998/12).

Bemerkung

Die Fair-Trade-Bewegung kennzeichnet Waren, deren Produktionsweise sozialen Kriterien und den Menschenrechten entspricht. So können Verbraucher/innen, die diese Anliegen unterstützen, ihre Kaufkraft gezielt einsetzen.