Wie Frauenrechte verletzt werden

Häusliche Gewalt
Die häufigste Form von Gewalt gegen Frauen ist die häusliche Gewalt. In Deutschland galt häusliche Gewalt bis in die 1970er-Jahre als Privatsache, außerhalb des Einflussbereiches von Staat und Justiz. Erst allmählich wurde häusliche Gewalt als Unrecht und auch als gesellschaftliches Problem anerkannt. 1999 legte die Bundesregierung einen „Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen“ vor, in dessen Rahmen 2002 ein Gewaltschutzgesetz verabschiedet wurde, welches auf dem Grundsatz basiert: Wer schlägt, muss gehen.*

Häusliche Gewalt ist nicht nur eine Beeinträchtigung des physischen und psychischen Wohlergehens der betroffenen Frau und daher ein direkter Angriff auf ihre Menschenrechte, sie ist auch ein Verbrechen.

Statistiken zeigen, dass Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit von ihrem Partner oder Ex-Partner geschlagen, angegriffen und sogar getötet werden als von irgendjemand anderem.

  • Je nach Land sind in Europa zwischen 20% und 50% der Frauen Opfer häuslicher Gewalt.
  • Häusliche Gewalt betrifft alle gesellschaftlichen Schichten und alle Altersgruppen.
  • Häusliche Gewalt nimmt viele Formen an: körperliche, sexuelle, psychologische und strukturelle.
  • Jede fünfte Frau ist im Lauf ihres Lebens einem sexuellen Übergriff ausgesetzt. Das Alter der Opfer liegt zwischen zwei Monaten und 90 Jahren.
  • 98% der Täter sind Männer, 50% von ihnen sind verheiratet oder leben in einer festen Paarbeziehung.
  • 70% der Vergewaltigungen sind geplant, nur 3% der Täter sind geistig gestört.
  • Die Zahl der Mehrfachvergewaltigungen steigt.
  • Die Zahlen zeigen eine Zunahme der Übergriffe auf sehr junge Mädchen.

„Die Statistiken sehen düster aus, egal welcher Teil der Welt betrachtet wird ... Kein Land, keine Region ist frei von häuslichen Misshandlungen“, heißt es in einem 2000 veröffentlichten UNICEF-Bericht über häusliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen – ein erster Versuch, die globalen Dimensionen dieses Phänomens zu ermitteln.

Frauen- und Mädchenhandel
Jedes Jahr sind Millionen Männer, Frauen und Kinder Opfer des weltweiten Menschenhandels, unter Bedingungen, die der Sklaverei ähneln. Viele tausend von ihnen sind junge Frauen und Mädchen, die in die Zwangsprostitution oder andere Formen der sexuellen Sklaverei gelockt, entführt oder verkauft werden. Globalisierung und moderne Technologien haben diesen Prozess sogar noch erleichtert. Zugrunde liegende Ursachen für die Opfer sind u.a. Armut, Arbeitslosigkeit und mangelnde Bildung. Diese Faktoren zwingen Menschen zu enormen Risiken, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Ein besorgniserregender Trend in den Industrieländern ist „die Verwendung billiger und nicht angemeldeter Arbeitskräfte sowie die Ausbeutung von Frauen und Kindern in Prostitution und Pornografie.“[1]

Der Menschenhandel ist kein neues Phänomen, aber der Verkauf unwissender und verzweifelter junger Frauen in die sexuelle Sklaverei ist zu einer der am schnellsten wachsenden kriminellen Branchen der globalen Wirtschaft geworden. „Der Handel zwischen bestimmten Ländern des Südens (Nord- und Zentralafrika, Lateinamerika und Asien) und den Zielländern des Westens setzt sich fort. Aber der auffälligste Faktor ... ist die steigende Zahl von Frauen und Kindern, die aus mittel- und osteuropäischen Ländern in die Europäische Union verkauft werden. Schätzungen zufolge belaufen sich die Zahlen der jährlich nach Westeuropa verkauften Frauen und Kinder auf bis zu 120000.“[2] Seit einigen Jahren steht nun das Thema Frauen- und Kinderhandel – sowie Menschenhandel allgemein – ganz oben auf der Tagesordnung des Europarats.

Weibliche Genitalverstümmelung
Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM = female genital mutilation) betrifft schätzungsweise 130 Millionen Mädchen und Frauen, vorwiegend in Afrika, aber auch in den Metropolen der reichen Industrieländer [Bemerkung]. FGM ist eine kulturelle Praxis, die Frauen Schaden zufügt, ihre Rechte auf Leben ebenso verletzt wie ihre körperliche Unversehrtheit, Gesundheit und Sexualität. Da sie meist an jungen Mädchen durchgeführt wird, wirft die weibliche Genitalverstümmelung auch schwerwiegende Fragen zu den Rechten des Kindes auf.

In Konfliktgebieten ...
In den letzten Jahren wurde aus Bosnien, Kambodscha, Tschetschenien, Haiti, Peru, Somalia, Sierra Leone, Ost- und Westtimor und anderen Konfliktgebieten der Welt über Gewaltakte gegen Frauen berichtet. Irgendwann wird die internationale Staatengemeinschaft Alternativen zu den wenigen ad hoc eingerichteten internationalen Tribunalen – wie denen für Jugoslawien und Ruanda – finden müssen. Diese sind zwar nützlich und notwendig, für den Schutz von Frauenrechten jedoch eindeutig inadäquat und unzureichend.

Die parlamentarische Versammlung des Europarats

„bedauert, dass trotz der Tatsache, dass Vergewaltigung als Kriegsverbrechen eingestuft wurde, diese weiterhin systematisch als Kriegswaffe eingesetzt wird – auch in jüngeren Konflikten (Kosovo und Tschetschenien) – und nicht nur zu psychischen Traumatisierungen, sondern auch zu erzwungenen Schwangerschaften geführt hat.“[3]

Was kann man tun, um die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beseitigen?

Bemerkung

Weltweit werden auf diese Weise zwei Millionen Mädchen und junge Frauen beschnitten, zusätzlich zu den 130 Millionen bereits beschnittenen Frauen.[4]

 

Fussnoten

  1. Auszug aus: „Trafficking in women, a comprehensive European strategy“, Informationsblätter der Europäischen Kommission.
  2. Ebenda.
  3. Resolution 1212 (2000), Parlamentarische Versammlung des Europarats.
  4. Lori, H., German, A., Pitanguy, J.: Violence against women: the hidden health burden. Weltbank, Washington D.C. 1994.