Homophobie oder Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung

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Homophobie kann als Abneigung gegen oder Hass auf Homosexuelle, deren Lebensstil oder Kultur definiert werden, oder ganz allgemein gegen Menschen mit anderer als der mehrheitlich gelebten sexuellen Orientierung.

In vielen Teilen der Welt sind Menschen nicht-heterosexueller Orientierung Diskriminierungen ausgesetzt, von Beleidigung bis zu Mord. In vielen Ländern ist praktizierte Homosexualität noch immer ein Verbrechen und in manchen wird sie mit der Todesstrafe geahndet. In Europa werden gleichgeschlechtliche Lebensweisen nicht mehr strafrechtlich verfolgt, doch halten viele Menschen die Homosexualität noch immer für eine Krankheit, eine psychische Störung oder für unnatürlich.

Homosexuelle selbst identifizieren sich mit den Begriffen ,lesbisch‘‚ schwul‘ oder auch ‚queer‘.

Einige Definitionen:

  • Menschen, die Personen des eigenen Geschlechts lieben und begehren, werden als homosexuell bezeichnet.
  • Bisexuell sind Menschen, die sich sowohl von Personen des eigenen als auch des anderen Geschlechts angezogen fühlen können.
  • Menschen, die sich von Personen des anderen Geschlechts angezogen fühlen, fallen unter die Kategorie heterosexuell.
  • Lesben sind weibliche Homosexuelle, also Frauen, die sich in andere Frauen verlieben.
  • Als Schwule werden homosexuelle Männer bezeichnet. Die englische Bezeichnung „Gay“ bezieht sich häufig auch auf lesbische Frauen.
  • Menschen, die sich mit einer anderen Geschlechterrolle identifizieren als die ihrem biologischen Geschlecht zugeordnete und diese leben, nennen sich Transgender.
  • Transsexuelle Menschen, empfinden sich gefühlsmäßig als dem anderen Geschlecht zugehörig und haben den Wunsch, diesem anderen Geschlecht dauerhaft und sowohl sozial als auch körperlich möglichst vollständig anzugehören. Dazu gehört für viele, eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen zu lassen.
  • Intersexualität ist eine Bezeichnung, die gemeinhin für Menschen mit nicht eindeutig weiblichen oder männlichen körperlichen Geschlechtsmerkmalen verwendet wird.
  • LGBT ist eine Abkürzung für Lesbisch, Schwul (Gay), Bisexuell und Transgender.*

Das Leben als LGBT in Europa kann sich heute recht unkompliziert gestalten (in den Großstädten Westeuropas mit gut entwickelter Subkultur, Bars, Clubs und Organisationen), relativ schwierig sein (in Kleinstädten Westeuropas und großen Teilen Mitteleuropas, wo sich die Ansichten über gleichgeschlechtliche Lebensweisen nur langsam ändern) oder äußerst gefährlich (Verfolgung durch die Polizei sowie durch Teile der Bevölkerung, diskriminierende Gesetze und Hassverbrechen sind in einigen osteuropäischen Ländern an der Tagesordnung) [Bemerkung]

Lesbische und schwule Paare werden in ganz Europa auch gesetzlich diskriminiert, zum Beispiel was das Recht auf Eheschließung, die Gründung einer Familie oder die Adoption von Kindern betrifft. Sie genießen nicht dieselben Rechte wie heterosexuelle Paare. In Deutschland trat am 1.8.2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft, welches Lesben und Schwulen die gleichen Pflichten auferlegt, jedoch nicht die gleichen Rechte sichert wie heterosexuellen Partnerschaften.

Kennen Sie prominente Schwule oder prominente Lesben in Ihrem Land?

Der rosa Winkel und die Regenbogenfahne ...

Zehntausende Homosexuelle kamen in den Konzentrationslagern der Nazis um. Der rosa Winkel und die Farbe Rosa werden allgemein mit den Bewegungen und der Kultur der Homosexuellen assoziiert. Dies geht auf den rosa Aufnäher zurück, den Homosexuelle in den Konzentrationslagern der Nazis als Zeichen ihrer „sexuellen Abartigkeit“ tragen mussten.

Der kalifornische Künstler Gilbert Baker kreierte 1978 die Regenbogenflagge mit der Absicht, eine positive Alternative zum rosa Winkel zu entwerfen. Baker wollte damals ein Symbol für ein entstehendes neues schwules Selbstbewusstsein schaffen. Von San Francisco aus wurde die Regenbogenfahne weltweit bekannt und als Symbol der lesbisch-schwulen Bewegung anerkannt.*

Junge LGBT haben oft Probleme mit Familien und Freund/innen, wenn sie sich ihnen gegenüber outen. Daher schieben zahlreiche Jugendliche ihr Coming-Out aus Angst vor Ablehnung hinaus. In der Schule kann der Gruppenzwang sehr stark sein und LGBT das Leben erheblich erschweren. Diskriminierung durch Fremde, also Gewalt, Belästigung und die Verweigerung von Dienstleistungen (z.B. Rauswürfe aus Restaurants), stellen weitere Probleme von jungen LGBT dar.

Sollten Schwule und Lesben heiraten dürfen?

Junge Menschen sind im Übrigen eine besonders verletzliche Zielgruppe homophober Gewalt und Diskriminierung. Fragen nach der eigenen sexuellen Identität, Schuldgefühle, Angst vor Ablehnung oder Missverständnissen sind häufig Teil des langwierigen Coming-Out-Prozesses. Eine negative Reaktion der Außenwelt kann Jugendliche in Konflikte mit sich selbst stürzen und zu Depressionen oder manchmal zum Selbstmord führen.

Bemerkung

In einem Bericht über sexuelle Diskriminierung in Polen, der 2001 dem Europäischen Parlament vorgelegt wurde, gaben 22% der LGBT an, Erfahrungen mit körperlicher Mi sshandlung zu haben. 77% von ihnen haben diese Vorfälle nie bei der Polizei angezeigt, aus Angst vor den Reaktionen ihrer Familien und der Polizei.[1]

 

Fussnoten

  1. Biedron, R.: Situation of sexual minorities in Poland, Campaign against homophobia, Riga, August 2001

* Die Redaktion hat relevante Informationen für den deutschsprachigen Kontext in dieser Ausgabe ergänzend aufgenommen und diese Abschnitte mit einem Stern (*) markiert.