Herausforderungen für die Bildung

1996 erstellte ein Ausschuss der UNESCO eine Übersicht über die sieben weltweit eklatantesten Spannungsverhältnisse mit Auswirkungen auf die Bildung:

  1. Das Spannungsverhältnis zwischen globaler und lokaler Reichweite
  2. Das Spannungsverhältnis zwischen Universalität und Individualität
  3. Das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne
  4. Das Spannungsverhältnis zwischen dem Spirituellen und dem Materiellen
  5. Das Spannungsverhältnis zwischen langfristigen und kurzfristigen Überlegungen
  6. Das Spannungsverhältnis zwischen Wettbewerb und Chancengleichheit
  7. Das Spannungsverhältnis zwischen der außergewöhnlichen Vermehrung des Wissens und der Fähigkeit des Menschen, es in sich aufzunehmen

Die UNESCO sieht in den vier von ihr so genannten „Pfeilern“ des Lernens eine Strategie, sich diesen Herausforderungen zu stellen und mit ihnen umzugehen:

  1. Lernen, mit anderen zu leben: Bildung sollte bei den Lernenden Fähigkeiten und Fertigkeiten stärken, die notwendig sind, ihre Interdependenz mit anderen Menschen zu akzeptieren, Konflikte zu managen, mit anderen zusammen gemeinsame Ziele zu erarbeiten und eine gemeinsame Zukunft zu planen, Pluralismus und Vielfalt (z.B. der Geschlechterrollen, Ethnien, Religionen, Kulturen) zu respektieren und sich aktiv am Leben der Gemeinschaft zu beteiligen.
  2. Lernen, Wissen zu erwerben: Bildung soll den Lernenden helfen, sich die Werkzeuge des Wissens anzueignen, nämlich die wesentlichen Mittel der Kommunikation und des mündlichen Ausdrucks, Lesen und Schreiben, Rechnen und Problemlösung, eine breite Allgemeinbildung und vertiefende Fachkenntnisse auf einigen Gebieten, Verständnis der Rechte und Pflichten und, was am allerwichtigsten ist, lernen, wie man lernt.
  3. Lernen zu handeln: Bildung sollte den Lernenden helfen, sich berufsbezogene Fertigkeiten sowie soziale und psychologische Kompetenzen anzueignen, durch die sie in die Lage versetzt werden, in verschiedenen Lebenssituationen begründete Entscheidungen zu treffen, soziale und berufliche Beziehungen einzugehen, an lokalen und globalen Märkten zu partizipieren, Technologie einzusetzen, Grundbedürfnisse zu befriedigen und ihre eigene Lebensqualität ebenso wie die Lebensqualität anderer zu verbessern.
  4. Lernen für das Leben: Bildung sollte zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen und die Menschen in die Lage versetzen, mit mehr Autonomie, Urteilskraft, kritischem Denken und persönlicher Verantwortung zu handeln. Sie sollte auf die allseitige Entwicklung der Persönlichkeit abzielen, zum Beispiel des Gedächtnisses, des logischen Denkens, des Schönheitssinns, spiritueller Werte, körperlicher Fähigkeiten, der Kommunikationsfähigkeit, eines gesunden Lebensstils, der Freude an Sport und Erholung, einer positiven Einstellung zur eigenen Kultur, der Aneignung eines ethischen und moralischen Kodex, der Fähigkeit, für sich zu sprechen und sich zu verteidigen, der Widerstandskraft.