Die Definition von Armut

Absolute Armut beschreibt, was für das Überleben mindestens notwendig ist. Nach dieser Definition wird angenommen, dass Menschen unterhalb bestimmter Minimalstandards in die Kategorie „arm“ fallen. Eine der am häufigsten benutzten Bezugsgrößen ist das Einkommensniveau: Rutscht das Einkommen einer Person oder Familie unter eine bestimmte Grenze, die als notwendiges Minimum für einen vernünftigen Lebensstandard angesehen wird, dann gilt diese Person oder Familie als arm.

Bei der relativen Armut wird der Status einer bestimmten Gruppe definiert und in Relation zu anderen im gleichen Umfeld, am gleichen Wohnort oder im gleichen Land gemessen. Somit kann ein Mensch, der in den Ländern des Nordens als arm gilt, in absoluten Zahlen ein höheres Einkommen haben als jemand, der in Ländern des Südens als wohlhabend gilt. Die Bedeutung von Armut hängt von den Sitten, Standards und Werten des jeweiligen Landes bzw. der Region ab. So gesehen hat die Auffassung von Armut auch eine kulturelle Dimension.

Heute erkennen viele, dass Wirtschaftswachstum in einem Land nicht notwendigerweise zur Verringerung von Armut führt. Polens Wirtschaft z.B. ist sehr erfolgreich, aber die Armut ist weiter gewachsen.

Breite Zustimmung findet die Auffassung, dass „Armut ein mehrdimensionales Phänomen ist, das sich aus mentalen, politischen, kommunalen und anderen Aspekten zusammensetzt“, verbunden mit einer materiellen Dimension (die normalerweise in Geldwert ausgedrückt wird). Verschärft wird sie häufig durch wirtschaftliche, soziale, politische oder ökologische Faktoren. Armut hat viele Gesichter: Es gibt ländliche und städtische, dauerhafte oder vorübergehende Armut. Manche Menschen sind ihr ganzes Leben lang arm, während dies für andere lediglich über eine gewisse Zeit gilt. Armut ist kein statischer Zustand.

Eine weitere wichtige Dimension ist die „Feminisierung der Armut“: Frauen sind im Vergleich zu Männern häufiger und stärker von Armut betroffen. Dies resultiert vor allem daraus, dass Frauen sehr eingeschränkten Zugang zu Besitz und Kontrolle über Ressourcen wie Land, Kredite und Wissen haben.*

FIAN, das FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk*

Als internationale Menschenrechtsorganisation setzt FIAN sich dafür ein, dass alle Menschen frei von Hunger leben und sich eigenverantwortlich ernähren können. FIAN tritt ein für Personen und Gruppen wie Kleinbauern/bäuerinnen, Landarbeiter/innen, Landlose, die nicht stark genug sind, ihre Interessen alleine zu vertreten. Weil Hunger auch eine Frage fairer internationaler Spielregeln ist, unterstützt das Netzwerk eine Globalisierung, die sozialen und ökologischen Mindeststandards genügt. Basis der Arbeit von FIAN sind internationale Menschenrechtsabkommen, insbesondere der Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte. FIAN-Deutschland ist Teil von FIAN-International mit Mitgliedern in 60 Staaten Afrikas, Amerikas, Asiens und Europas. Ausgehend von der Unteilbarkeit und Universalität der Menschenrechte kämpft FIAN für die weltweite Verwirklichung des Rechtes, sich zu ernähren. Das schließt die Möglichkeit eines jeden menschlichen Individuums ein, vor nationalen und internationalen Gerichten zu klagen, wenn dieses Recht verletzt wird. Die Mitglieder von FIAN engagieren sich für eine Welt, die frei von Hunger ist und in der jede/jeder Zugang zu den Ressourcen hat, die ihr/ihm ein Leben in Würde ermöglichen. http://www.fian.de/

 

* Die Redaktion hat relevante Informationen für den deutschsprachigen Kontext in dieser Ausgabe ergänzend aufgenommen und diese Abschnitte mit einem Stern (*) markiert.