Gedenkstättenpädagogik*

In Deutschland leisten mehr als hundert NS-Gedenkstätten einen Beitrag für das Erinnern an die Opfer, an den Holocaust und gegen das Verdrängen oder Verleugnen der nationalsozialistischen Vergangenheit. Konzentrationslager, Außenlager und andere Tatorte der NS-Verbrechen, sowie ehemalige Synagogen, Friedhöfe und Archive sind auf unterschiedliche Weise für die Öffentlichkeit zugänglich. Die NS-Gedenkstätten leisten durch Forschung, Dokumentation, Bildungsarbeit, Ausstellungen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen ihren spezifischen Anteil zur Darstellung der Orts-, Regional- und Landesgeschichte während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Arbeit der NS-Gedenkstätten ist ein wichtiger Bestandteil der politischen Bildung in Deutschland. Gerade auch den zunehmenden rechtsextremen Tendenzen treten die Informations- und Dokumentationszentren mit historischem Wissen entgegen [Zitat].

Die NS-Gedenkstätten sind Orte, an denen die Menschenrechte in schwerster Form verletzt wurden. In aktuellen Diskussionen um die Aufgaben und Ziele der Gedenkstättenpädagogik wird daher Erinnerung und Dokumentation der Vergangenheit zunehmend mit der Auseinandersetzung um gegenwärtige Menschenrechtsverletzungen als wichtige pädagogische Aufgabe verknüpft. So kann Erinnerungsarbeit zu Fragen an die heutige Gesellschaft führen wie: Warum nehme ich es hin, dass in dieser Gesellschaft Menschen stigmatisiert und ausgegrenzt werden? Warum schweige ich zu Menschenrechtsverletzungen heute? Auseinandersetzungen um solche Fragen können Zivilcourage und Empathie fördern, also Kompetenzen, welche Persönlichkeiten auszeichnen, die im NS verfolgte Menschen unterstützt haben. „,Kraft zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen' (Theodor W. Adorno) sind nach wie vor die unbequemen Leitideen einer ,Erziehung nach Auschwitz', ein Programm, das weit über die Vermittlung historischen Wissens zum NS-Staat hinausgeht." [1]

Eine ausführliche Liste der NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren in Deutschland ist im Internet unter www.ns-gedenkstaetten.de, oder www.gedenkstaettenforum.de zu finden.

Seit den 1990er Jahren sind in Deutschland eine Vielzahl von Gedenkstätten entstanden, die sich mit der Geschichte der politischen Verfolgung in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) und der DDR beschäftigen. Die Aufarbeitung beider Diktaturen des 20. Jahrhunderts ist Teil des demokratischen Selbstverständnisses im vereinten Deutschland. Aufklärung über die beiden Diktaturen, deren Gemeinsamkeit in der Bekämpfung von Demokratie und Rechtsstaat liegt, sind der Kern des demokratischen Konsenses sowie der Erinnerungskultur. Ausführlichere Informationen finden Sie unter: www.stiftung-aufarbeitung.de.

Zitat

„Das größte Übel heute ist die Gleichgültigkeit. Zu wissen und nicht zu handeln ist eine Form der Zustimmung zu diesen Ungerechtigkeiten. Der Planet ist sehr klein geworden. Was in anderen Ländern passiert, betrifft uns ebenfalls.“

Elie Wiesel

 

Fussnoten

  1. Reif-Spirek, Peter (2003): Rechtsextremismus, Geschichtsrevisionismus und Gedenkstättenpädagogik. In: Benz, Wolfgang; Reif-Spirek, Peter (Hrsg. 2003): Geschichtsmythen. Legenden über den Nationalsozialismus. Berlin.

* Die Redaktion hat relevante Informationen für den deutschsprachigen Kontext in dieser Ausgabe ergänzend aufgenommen und diese Abschnitte mit einem Stern (*) markiert.