Interkulturelle Bildung

Globales Lernen hängt eng zusammen mit der interkulturellen Bildung, deren Gegenstand die Interaktion mit anderen Kulturen, Gesellschaften und sozialen Gruppierungen ist. Heute sind alle Gesellschaften durch einen steigenden Grad an Multikulturalität und kultureller Vielfalt gekennzeichnet, daher wird die Anerkennung und Achtung der Minderheitenrechte immer wichtiger. Alte Konzepte nationaler Gesellschaften als kulturell homogene Einheiten werden hinterfragt: Durch den Prozess der europäischen Integration sowie im Zusammenhang mit der gestiegenen ökonomischen und sozialen Abhängigkeit zwischen den Regionen der Welt sind diese Vorstellungen überholt. Selbst in solchen Teilen des Erdballs, wo es keine nennenswerte Einwanderung gibt, sind Konflikte häufig auf einen Mangel an Verständigung zwischen verschiedenen Ethnien und/oder Lebensstilen in einer Gesellschaft zurückzuführen. Die Konflikte in Nordirland, im ehemaligen Jugoslawien und in Teilen des Kaukasus sind traurige Beispiele für die Probleme, die aus der Unfähigkeit, andere Kulturen zu respektieren und mit ihnen zu leben, erwachsen können. [Zitate]

In der interkulturellen Bildung werden moderne Erscheinungen des Rassismus sowie andere Diskriminierungsformen thematisiert mit dem Ziel, diesen entgegenzuwirken und alternative Kommunikations- und Interaktionsformen zu fördern.

Das Direktorat für Jugend und Sport, Herausgeber der englischen Version von KOMPASS, hat sich vor allem durch die Europäischen Jugendzentren in Budapest und Straßburg sowie das Europäische Jugendwerk auf dem Gebiet der interkulturellen Bildung engagiert. Die europaweite Kampagne ,Alle anders - alle gleich' gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz (1995) sollte der zunehmenden rassistischen Feindseligkeit und Intoleranz gegen Minderheiten begegnen. Sie war ein Versuch, die Menschen zusammenzubringen und dem Kampf gegen alle Formen der Intoleranz weiteren Schwung zu geben.

Antirassistische Bildungsarbeit

Antirassistische Bildung geht davon aus, dass in einer multikulturellen und demokratischen Zivilgesellschaft alle ein Recht auf Gleichheit und Gerechtigkeit haben. Die Realität des Rassismus und rassistischer Haltungen in jeder modernen Gesellschaft wird anerkannt sowie die Wirkung, die diese für Schüler/innen nicht-deutscher Herkunft und/oder unterschiedlicher Hautfarbe haben kann - da sie ihnen eine negative Bildungserfahrung vermittelt, die ihre Chancen im späteren Leben mindert. Antirassistische Bildung will auf individueller wie institutioneller Ebene rassistisches Verhalten, rassistische Sprache und Praktiken ansprechen und die Wahrnehmung in Bezug auf die negativen Auswirkungen des Rassismus schärfen. Sie zielt auf eine multi-ethnische und interdependente Gesellschaft, in der die Rechte aller respektiert und geschützt werden.

Zitate

„Differenz statt Indifferenz!“

„Die interkulturelle Bildung will die Erkundung wechselseitiger Beziehungen und den Abbau von Barrieren ermöglichen.“

„All Different – All Equal“ Bildungsmaterial des Europarats [1]

 

Fussnote

  1. Das im Rahmen der Kampagne erstellte Handbuch ‘Education Pack – Ideen, Quellen, Methoden und Aktivitäten für die interkulturelle padägogische Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen, soll in der Bildungsarbeit Tätige bei der Mitwirkung an Kampagnen unterstützen. Das Handbuch benennt zwei Schwerpunkte der interkulturellen Bildung, die junge Menschen befähigen sollen, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Rassismus, Stereotype und Vorurteile zu erkennen, und ihnen das Wissen und die Fähigkeiten vermitteln sollen, sich diesen zu stellen und sie zu verändern, wann immer sie in der Gesellschaft darauf stoßen. Das Handbuch ist – leider – auch heute noch relevant, wurde in revidierter Version neu aufgelegt und wird Benutzer/innen von KOMPASS als Ergänzungsliteratur empfohlen.