Internationale Unterstützung für die Menschenrechtsbildung

Der Europarat

Für die Mitgliedsstaaten des Europarats sollten Menschenrechte nicht nur Lippenbekenntnisse sein. Die Menschenrechte sind Teil ihrer Gesetzesgrundlagen und sollten daher integraler Bestandteil der Bildung junger Menschen sein. Die europäischen Staaten haben einen bedeutenden Beitrag zur ersten und universellen Menschenrechtsdeklaration des 20. Jahrhunderts geleistet, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der drei Jahre zuvor gegründeten Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Die Europäische Menschenrechtskonvention, die für alle Mitgliedsstaaten des Europarats gesetzlich bindend ist, bezog ihre Prinzipien und ihren Geist aus diesem UN-Dokument und wurde zwei Jahre danach, 1950, verabschiedet.

Die Empfehlung Nr. R (85) 7 an die Mitgliedsstaaten des Europarats wurde am 14. Mai 1985 vom Ministerkomitee verabschiedet und beschäftigt sich mit dem Lehren und Lernen über Menschenrechte in der Schule. Dieses Dokument legt besonderen Wert darauf, dass alle jungen Menschen zur Vorbereitung auf das Leben in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft die Menschenrechte kennen und verstehen lernen; und dieser Vorstoß wird langsam von verschiedenen europäischen Ländern und Institutionen in ihre Politik aufgenommen.

Auf der Ebene der Europäischen Union empfahl der Europäische Rat bei einer Versammlung in Luxemburg im Dezember 1997, dass alle Staaten sich bemühen sollten:

  • die Rolle der Zivilgesellschaft hinsichtlich der Verbreitung und des Schutzes der Menschenrechte zu stärken
  • Aktivitäten auf der Grundlage der Menschenrechte zu fördern und einen organisatorischen Rahmen für die Unterstützung dieser Arbeit zu entwickeln
  • die Menschenrechte betreffende Trainings- und Bildungsprogramme zu stärken

Jugendpolitik

Im April 1998 trafen sich die für die Jugend zuständigen europäischen Minister/innen und einigten sich auf die folgenden Ziele der Jugendpolitik des Europarats [1]:

  • Jugendverbände ebenso zu fördern wie andere demokratische und pluralistische Aktionsformen und allen jungen Menschen zu einer größeren Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben zu verhelfen
  • gegenwärtige Kooperationsmodelle dem sozialen Wandel anzupassen und auf andere Formen von Jugendorganisationen und Jugendarbeit anzuwenden sowie das Konzept der Jugendpartizipation weiterzuentwickeln
  • den wertvollen gesellschaftlichen Beitrag nutzbar zu machen, den aktive und verantwortungsbewusste junge Menschen leisten können
  • demokratiepolitische Bildungsprojekte für die Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements zu entwickeln, die es ermöglichen, junge Menschen schneller und effektiver in das gesellschaftliche Leben einzubeziehen und dabei Unterschiede zu respektieren
  • von der kommunalen bis zur europäischen Ebene eine umfassende, integrative und kohärente Jugendpolitik zu implementieren, die auf den Prinzipien der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten und auf der Europäischen Sozialcharta beruht

Die Vereinten Nationen

Im Dezember 1994 rief die Generalversammlung der Vereinten Nationen offiziell die UN-Dekade der Menschenrechtsbildung (1995-2004) aus. [Zitat] Sie reagierte damit auf die Wiener Erklärung, eine Empfehlung der Wiener Weltkonferenz der Menschenrechte 1993, in der unterstrichen wurde, dass Menschenrechtsbildung, berufliche Bildung und die umfassende Information der breiten Öffentlichkeit wesentliche Voraussetzungen sind für stabile und harmonische gesellschaftliche Beziehungen sowie für gegenseitige Verständigung, Toleranz und Frieden. Die Wiener Konferenz hatte empfoh-len, die Staaten „sollten sich bemühen, das Analphabetentum zu bekämpfen und die Bildung auf die umfassende Persönlichkeitsentwicklung des Menschen und die Stärkung des Respekts für Menschenrechte und Grundfreiheiten hin auszurichten." Sie hat außerdem alle Staaten und Institutionen aufgerufen, die Menschenrechte, humanitäres Völkerrecht, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als Gegenstände in die formale und non-formale Bildungsarbeit aufzunehmen. Durch die UN-Dekade sollte dies gezielt gefördert und forciert werden.

Die UNESCO

Zahlreiche Bildungskonzepte beschäftigen sich mit dem zunehmend multikulturellen und multireligiösen Charakter moderner Gesellschaften. Zu lernen, wie man innerhalb und über die Grenzen verschiedener Gesellschaften hinweg zusammenlebt, ist die „notwendige Utopie", die 1996 vom UNESCO-Bericht zur Bildung für das 21. Jahrhundert [2] empfohlen wurde. Menschenrechte bilden den Kern des in dem UNESCO-Bericht entworfenen Konzepts - so zum Beispiel die Fähigkeit, in Konflikten zu vermitteln und gemeinsame Perspektiven mithilfe von Problemanalyse und Zukunftsplanung zu entwickeln. Die Unterstützung eines gewaltfreien Wandels ist von grundlegender Bedeutung sowohl innerhalb der Gesellschaften als auch im interkulturellen Austausch.

Zitat

„Die Geschichte der Menschheit wird immer mehr zu einem Wettrennen zwischen Bildung und Katastrophe.“

H. G. Wells

 

Fussnote

  1. Schlusserklärung der 5. Europäischen Ministerkonferenz der Jugendminister/innen, Bukarest: "Young people: active citizens in a future Europe", April 1998.
  2. „Learning, the Treasure Within". UNESCO-Bericht über Bildung im 21. Jahrhundert, 1996.

 

Quellen:

  • Dr. Pasi Sahlberg, Building Bridges for Learning - The Recognition and Value of Non-Formal Education in Youth Activity, study for the National Board of Education (Finland) and for the European Youth Forum, European Youth Forum, December 1999.
  • Staying Alive, Information paper of the European Youth Forum for the General Assembly, 2000.
  • Chisholm, Lynne, Towards a revitalisation of non-formal learning for a changing Europe, Report of the symposium on non-formal education, Council of Europe Directorate of Youth and Sport, 2000