Ziele von Menschenrechtsbildung

Die Etablierung einer Kultur, in der Menschenrechte nicht nur verstanden, sondern auch verteidigt und respektiert werden, ist ein hehres und ambitioniertes Anliegen. KOMPASS versucht, methodisch-didaktische Anregungen, Vorschläge und Ideen zur schrittweisen Annäherung an dieses langfristige Ziel zu geben.

Häufig ist es hilfreich, mit diesem Ziel vor Augen den Blick zunächst auf das eigene Land oder die eigene Region zu richten. Sich über die Menschenrechtssituation im eigenen Umfeld zu informieren ist Voraussetzung für die Erschliessung eines konkreten Handlungsrahmens: „Think globally - Act locally".

Die Methoden in KOMPASS sind in diesem Sinne konzipiert. Geordnet nach verschiedenen globalen menschenrechtlichen Themenbereichen, werden die Teilnehmenden in den übungen mit konkreten Situationen konfrontiert, die im eigenen Land stattfinden können. Die übungen und Methoden sind möglichst partizipativ ausgerichtet. Jugendliche sollen inspiriert werden, Interesse für unterschiedliche Themenbereiche zu entwickeln und befähigt werden, sich weitergehend für Menschenrechte zu engagieren.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Menschenrechtsbildung hinsichtlich ihrer Aufgaben und Ziele in drei Bereiche unterteilen:

  • Die Wahrnehmung und das Verständnis für Menschenrechtsthemen schärfen (Lernen über Menschenrechte)
  • Reflexion über die Menschenrechte als ethisch-normative Grundlage für das eigene Handeln (Lernen durch die Menschenrechte)
  • Kompetenzen und Fertigkeiten für ein menschenrechtsbezogenes Engagement erlernen (Lernen für die Menschenrechte)

Mit diesen Aufgaben und Zielen verbindet sich die Förderung grundlegender Kompetenzen:

Wissen und Verstehen (Lernen über Menschenrechte)

  • Schlüsselbegriffe, wie: Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Menschenwürde, Nicht-Diskriminierung, Demokratie, Universalität, Rechte, Pflichten, Interdependenz, Solidarität, Verantwortung, Respekt
  • Die wichtigsten Instrumente zum Schutz der Menschenrechte - internationale Verträge, Deklarationen und Konventionen der Menschenrechte sowie andere relevante Menschenrechtsdokumente
  • Die Unterscheidung in bürgerliche, politische und wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte
  • Die Menschenrechte als Bezugsrahmen für das Aushandeln von Verhaltensregeln in Familie, Schule, Gemeinde/Gemeinschaften
  • Die Bedeutung der Menschenrechte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
  • Unterschiedliche Zugänge und Legitimationen von Menschenrechten in verschiedenen ethnischen, kulturellen und religiösen Kontexten
  • Das Wissen um zentrale soziale Veränderungen und historische Prozesse, die zu einer Anerkennung der Menschenrechte geführt haben
  • Das Kennenlernen lokaler, nationaler und internationaler Einrichtungen, die sich für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte einsetzen

Einstellungen, Haltungen und Werte
(Lernen durch die Menschenrechte)

  • Sensibilisierung: Wissen über und Anwendung der zentralen Kategorien, Werte und Prinzipien von Menschenrechten, Pflichten und Verantwortung der Individuen, Gemeinschaften und Gesellschaften sowie der „Weltgesellschaft"
  • Empowerment: Kennen- und Verstehenlernen der verschiedenen Formen von Menschenrechtsverletzungen und ihrer Ursachen sowie Möglichkeiten ihrer überwindung; Lernen, die Menschenrechte als Massstab und Grundlage für eigene Werte und Urteile anzuwenden; Reflektionsvermögen fördern
  • Entwickeln von Empathie und Solidarität mit anderen und solidarisches Engagement für Menschen, deren Rechte in Gefahr sind
  • Lernen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen

Kompetenzen und Fertigkeiten (Lernen für die Menschenrechte)

  • Handlungskompetenz: Lernen im Sinne der Menschenrechte zu handeln und sich für ihre uneingeschränkte Achtung einzusetzen
  • Kommunikationskompetenzen erwerben: Aktives Zuhören und Lernen, unterschiedliche Meinungen anzuerkennen sowie die eigene Meinung und die Meinung Anderer zu vertreten
  • Kritisches Denken schulen: Relevante Informationen recherchieren und kritisch bewerten, Vorurteile und Klischees erkennen und hinterfragen, Formen von direkter und indirekter Manipulation erkennen und eigene Entscheidungen informiert und fundiert treffen
  • Kooperative Zusammenarbeit und konstruktive Konfliktbewältigung erlernen
  • Konstruktive Teilnahme an Gruppen/Gruppenleitung erlernen