Menschenrechtsbildungsprogramm für junge Menschen

Es ist wachsender Konsens, dass die Menschenrechtsbildung für junge Menschen an Bedeutung gewinnt. Heutige Gesellschaften und insbesondere die Jugend werden immer mehr mit sozialer Ausgrenzung, religiösen, ethnischen und nationalen Unterschieden konfrontiert sowie mit den Vor- und Nachteilen einer fortschreitenden Globalisierung. Menschenrechtsbildung geht auf diese zentralen Themen ein und kann helfen, die verschiedenen Wahrnehmungen, Überzeugungen, Einstellungen und Werte einer modernen multikulturellen Gesellschaft verständlich zu machen. Sie hilft den Einzelnen, Wege zu finden, wie solche Unterschiede genutzt werden können.

Noch bedeutender ist, dass Jugendliche sich für die Menschenrechte interessieren und sie so-mit eine wichtige Zielgruppe für die Menschenrechtsbildung darstellen. Jugendlichen wird heute oft Apathie und politisches Desinteresse vorgeworfen; doch einige Studien scheinen zu bestätigen, dass genau das Gegenteil zutrifft. Forschungsarbeiten im Auftrag der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2001 belegen, dass Jugendliche sich sehr wohl am gesellschaftlichen Leben beteiligen – nicht zuletzt in Vereinen und Jugendclubs. Durchschnittlich gehören in den Ländern der Europäischen Union mehr als 50% der Jugendlichen einem Verein an, auch wenn es hier von Land zu Land beträchtliche Unterschiede gibt [1].

Was das Interesse an politischen Themen betrifft, so ergab eine Untersuchung der Einstellungen junger Menschen gegenüber der Europäischen Union, dass die Menschenrechte zu ihren obersten Prioritäten gehören. Der Wunsch der jungen Menschen, dass ihre Regierungen die Menschenrechte und die Umwelt schützen sowie Rassismus und Sexismus bekämpfen, wird lediglich von den Themen Arbeitslosigkeit und Kriminalität überboten [2].

Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen sich nicht für Politik interessieren? Wenn ja – was glauben Sie, woran es liegt?

Weltweit hat die Erfahrung gezeigt, welche Energie und welches Engagement junge Menschen in Aufgaben oder Projekte stecken, wenn sie selbst Mitverantwortung für ihr Handeln und Lernen übernehmen können und die Themen auf relevante und interessante Art und Weise angeboten werden.

Für unsere Bildungsarbeit kann diese Energie nur nützlich sein. Dass junge Menschen die Idee der Menschenrechte aufnehmen und mittragen, wird aus den zahlreich existierenden Jugendprogrammen deutlich – von den kleinen Aktivitäten, die relativ spontan in einzelnen Jugendclubs oder Schulen auf die Beine gestellt werden, bis hin zu den großen internationalen Programmen, die vom Europarat und anderen Organisationen durchgeführt werden.

 

Fussnote

  1. Exzerpte und Zahlen aus „Study on the state of young people and youth policy in Europe“, Forschungsvorhaben für die Europäische Kommission, durchgeführt von IARD, Mailand, Januar 2001.
  2. Quelle: Euro barometer 47. I, Young people’s attitudes to the European Union, Europäische Kommission 1998.